IMG 2996An einer hochkontroversen Diskussion in der Cottbusser „Haltestelle“ am Donnerstagabend in Cottbus zum Thema Tagebaulärm nahmen neben zahlreichen Betroffenen, Dr. Ulrich Obst von Landesbergamt, Hannelore Wodtke von der Lausitzer Initiative „Vermutete Bergschäden“ und der Sachverständige Peter Immekus vom Netzwerk Bergbaugeschädigter NRW teil.

Die Welzowerin Hannelore Wodtke sieht noch erheblichen Handlungsbedarf. Zwar habe Vattenfall eine Bürgerversammlung durchgeführt, dort aber nur Zahlenkolonnen präsentiert, nach denen es eigentlich ruhig sein müsste, jedoch keine ernsthaften Lösungsmöglichkeiten präsentiert. Nach den massiven Protesten in diesem Jahr stellte Vattenfall der Stadt Welzow eine Lärmmessstation zu Verfügung, aber nur für einen Monat. „Seitdem ist es bei uns merklich leiser geworden“, sagte Wodtke. Diese Aussage bestätige auch Immekus: „Das berichten mir auch immer wieder Betroffene aus den Tagebaueregionen in NRW. Sobald eine Messstation steht, wird es ruhiger“. Die Bürgerinitiative fordert jetzt eine Ausweitung der Messungen: „Wenn Vattenfall es wirklich ernst meint, sollte sie diese Station für mindestens ein Jahr durchlaufen lassen“, sagte die Welzowerin. „Allein durch Messungen herrscht noch keine Ruhe“, gab Wodtke zu Bedenken. Die Bürgerinitiative „Vermutete Bergschäden“ forderte grundsätzlich ein immer wieder in Rede stehendes Nachtarbeitsverbot am Tagebau Welzow von 22.00 Uhr bis 06.00 Uhr.

 

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Lärmbelastung durch Tagebaue: Brandenburg kann von Nordrhein-Westfalen lernen

Die Sprecherin für Bergbaupolitik der bündnisgrünen Landtagsfraktion SABINE NIELS hat die Landesregierung und das Bergbauunternehmen Vattenfall nach einer Podiumsdiskussion am Donnerstagabend in Cottbus aufgefordert, die Lärmproblematik durch Braunkohletagebaue endlich ernsthaft anzugehen. An der hochkontroversen Diskussion in der Cottbusser ,,Haltestelle" nahmen neben zahlreichen Betroffenen und Herrn Immekus auch Dr. Ulrich Obst vom Landesbergamt und Hannelore Wodtke von der Lausitzer Initiative ,,Vermutete Bergschäden" teil.

Das Beispiel Nordrhein-Westfalens zeige, wie ein solches Vorgehen aussehen könne. Im Herbst 2013 wurde von der Landesregierung mit den dortigen Bergbauunternehmen eine Transparenz Vereinbarung geschlossen hat. ,,Die Einrichtung eines Bürgertelefons, bei dem nächtliche Störungen rund um die Uhr gemeldet werden können, könnte auch in Brandenburg ein erster Schritt sein", sagte SABINE NIELS. In Nordrhein-Westfalen würden Behörden und Bergbaubetreibende sofort reagieren und bei Beschwerden vor Ort sein, berichtete der Sachverständige Peter Immekus vom Netzwerk Bergbaugeschädigter NRW. Schallmessungen würden bei Beschwerden direkt bei den Betroffenen durchgeführt und anschließend nach Lösungen gesucht.

Einig waren sich alle Beteiligten, dass es ein Lärmproblem im Umfeld des Tagebaus Welzow gibt. Seit dem Frühjahr, als die Förderbrücke umgeschwenkt wurde, haben die Beschwerden erheblich zugenommen. Hannelore Wodtke berichtete von eigenen Schallmessungen, die Welzower Tagebaurandbetroffene durchgeführt haben. Hierbei seien Werte von 70 bis 75 dB(A) außen sowie 60 dB(A) innerhalb von Wohnräumen festgestellt worden. Der Vertreter des Landesbergamts führte aus, er könne sich diese Werte technisch nicht erklären. Über die von Vattenfall zwei Mal jährlich durchgeführten Messungen hinaus läuft seit zwei Wochen eine vom Landesbergamt zusätzlich beauftragte vierwöchige Sondermessung. An einem Messpunkt habe man bereits erhöhte Werte feststellen können. Hier bestehe Handlungsbedarf, hieß es vom Landesbergamt. Mitte Dezember sollen die Messergebnisse der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden.

Peter Immekus berichtete, dass mittlerweile alle Fraktionen im nordrhein-westfälischen Landtag die Sorgen der Tagebaurandbetroffenen ernst nähmen. Es werde nach Lösungen gesucht, Daten transparent gemacht und die notwendigen Mittel zur Verfügung gestellt. Er warnte davor, die Belastungen der Betroffenen zu ignorieren. Vattenfall sei gut beraten, wie das Energieunternehmen RWE selbst aktiv zu werden und nach gemeinsamen Lösungen zu suchen. Die betroffene Welzowerin Hannelore Wodtke sagte, sie sehe in Brandenburg noch erheblichen Handlungsbedarf, bisher habe Vattenfall noch keine ernstzunehmenden Lösungsmöglichkeiten präsentiert. ,,Zumindest ist es merklich leiser geworden, seitdem gemessen wird", sagte sie. Diese Erfahrungen konnte auch Herr Immekus aus Nordrhein-Westfalen bestätigen.

Die bergbaupolitische Sprecherin der bündnisgrünen Landtagsfraktion SABINE NIELS unterstützt die Forderungen der Bürgerinitiative nach weiteren Messungen. ,,Eine Langzeitmessung von mindestens einem Jahr könnte Klarheit für die Betroffenen, das Landesbergamt und Vattenfall schaffen. Das würde die Diskussion erheblich versachlichen ", sagte SABINE NIELS. ,,Als nächstes wird sich unsere Landtagsfraktion mit Vattenfall in Verbindung setzen und nach Lösungsmöglichkeiten suchen", kündigte die Abgeordnete an. Neben der Lärmproblematik werde sie im nächsten Jahr aber auch die Themen Staubbelastung und Bergschäden stärker in den Fokus rücken.

 

Mehr Informationen: Transparenz-Vereinbarung Land Nordrhein-Westfalen mit Bergbaubetreiber
 http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument?typ=P&Id=MMV16/1231&quelle=alle&wm=1&action=anzeigen